Anthroposophische Gesellschaft

Fast überall auf der Welt gibt es heute Anthroposophische Gesellschaften. Sie bilden sich, wo Menschen mit einer geistigen Dimension des Lebens rechnen oder rechnen wollen. Diese Dimension kann als Gewissheit, Frage oder Sehnsucht auftreten. Anthroposophie ermöglicht, die Wirklichkeit einer geistigen Welt immer konkreter zu erfahren – und diese Wirklichkeit wegweisend für das praktische Leben werden zu lassen. Das ist eine Entwicklungsfrage.

„Anthroposophie ist für mich die Entdeckung und zugleich Schaffung einer Freiheit, die Quell der Liebe werden kann.“

Paul Mackay, Vorstandsmitglied der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft, Goetheanum

Rudolf Steiner (1861 – 1925), der Begründer der Anthroposophie, sah sie als Entwicklung des Bewusstseins für die Menschenwürde. Je komplexer die moderne technische Zivilisation wird, desto entscheidender ist es, dass für den einzelnen Menschen – egal wo er geboren ist, in welcher Kultur er aufwächst, welche Bildung er erlangt – Raum geschaffen wird, das zu werden, was in seinen unverwechselbaren Möglichkeiten liegt. Damit ist eine gesellschaftlicher Auftrage verbunden.

„Das Anthroposophische ist die Qualität des individuell Menschlichen. Und das taucht in den schöpferischen Prozessen, in den Schicksalsnetzen, in den Arbeiten auf und vergeht und entsteht und verändert sich.“

Elmar Lampson, Präsident der Hochschule für Musik und Theater, Hamburg

Um diesen Auftrag geht es (in) der Anthroposophischen Gesellschaft. Sie ist aktuell da, wo Menschen angeregt durch die Anthroposophie in einen schöpferischen Dialog treten, wo die Erfahrungen des einen sich an denen des anderen weiterentwickeln.

„Die Anthroposophische Gesellschaft steht voll in unserer Welt und zugleich auf etwas, was nicht von dieser Welt ist“

Sergej Prokofieff, Vorstandsmitglied der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft, Goetheanum

Sie gliedert sich in Ländergesellschaften, in regionale und lokale Gruppen. Als Weltgesellschaft hat sie ihren Sitz am Goetheanum in der Schweiz. Ihr Mittelpunkt ist die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft. Die Sektionen dieser Hochschule tragen durch geisteswissenschaftliche Forschung zu einer spirituellen Vertiefung ihres jeweiligen Lebens- oder Fachgebietes bei. Sie bearbeiten praktische und konzeptionelle Fragen – beispielsweise aus Pädagogik, Medizin, Kunst oder Landwirtschaft und weitere -, begleiten oder beraten Einrichtungen und Initiativen, bündeln Zielrichtungen.

„Die Anthroposophische Gesellschaft soll eine Vereinigung von Menschen sein, die das seelische Leben im einzelnen Menschen und in der menschlichen Gesellschaft auf der Grundlage einer wahren Erkenntnis der geistigen Welt pflegen wollen.“

Aus den Statuen der Anthroposophischen Gesellschaft

Literatur

  • Rudolf Steiner, Die Weihnachtstagung zur Begründung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft 1923/24, GA 260, Dornach 1994
  • Bodo v. Plato (Hg.), Anthroposophie im 20. Jahrhundert, ein Kulturimpuls in biographischen Portraits, Dornach 2003
  • Stefan Leber u.a., Die Pädagogik der Waldorfschule und ihre Grundlagen, Darmstadt 1992
  • https://www.goehteanum.org